Mittwoch, 2. September 2015

Feierliche Eröffnung

Der erste September gilt immer als feierlicher Tag, weil an diesem Tag nach zwei - drei Monaten Pause die Schule und die Universität wieder beginnt. Für die Alten heißt es sich erkundigen über das neue Semester und die Neuen bekommen eine feierliche Eröffnung. Ein bisschen fühlte auch ich mich gefeiert, da ich genauso neu war wie die 17 Jährigen Erstsemstler... und genauso ratlos und verwirrt. 

Am Vortag rief ich meine Ansprechpartnerin Lidia Golubenko, die Dekanin meiner Fakultät, an und wir verabredeten uns für 8:30 Uhr in ihrem Büro. Aufgeregt und motiviert ging ich ins Ungewisse. Ich muss 5 Minuten zu Fuß gehen und danach kann ich die Tram Nr. 5 in Richtung Arkadia für 3 oder 4 Stationen nehmen und man steht davor. Eine Tramfahrt kostet zwei Griwna (8ct). 
Auf dem Französischen Boulevard befindet sich der Betonneubau aus den 60er Jahren. Die alten Gebäude der Universität befinden sich im Zentrum. Die nationale Metschnikow Universität gibt es seit 1865 in Odessa und ist seit 1945 nach dem russischen Zoologen Ilja Metschnikow benannt, der dort aber nur sehr kurz lehrte. Meine Fakultät der romanisch-gemanischen Philologien befindet sich im vierten und fünften Stock des Gebäudes.
Im vierten Stock befindet sich das Dekanat und im fünften mein Lehrstuhl für die deutsche Sprache. Es gibt viel zu entdecken und ich schaute mich überall genau um.
Im Dekanat gibt es am Eingang diese zwei Regale für die Journals/ Klassenbücher für die Anwesenheit der Studierenden. In Deutschland verwaltet solch eine Liste eher der Dozent und nicht die Studierenden. Die Dekanin war schon sehr erfreut mich zu sehen und hieß mich an der Universität willkommen. Meine Vorgängerin hatte mir vorher erzählt, dass die Dekanin gerne kocht, also brachte ich ihr ein norddeutsches Kochbuch mit. Regionale Spezialitäten sind immer noch die Besten!
Sie zeigte mir ein wenig die Flure und meinen Lehrstuhl und nahm mich dann mit in die Aula, wo die Begrüßung der neuen Studierenden für die Fakultät stattfand. Kurz danach durfte ich mit ihr zum Hauptgebäude fahren, wo die Begrüßung aller Studierenden vom Direktor stattfinden sollte. Ich gesellte mich zu den Studierenden unserer Fakultät und schaute dem Spektakel zu.

Es wurden feurige Reden geschwungen vom Rektor Koval der Universität, vom Gouverneur Saakasvili und von Regensburg Oberbürgermeister Wolbergs, der die Partnerstadt Odessa zur 25 jährigen Partnerschaft besuchte. 

Anscheinend gibt es einige Bräuche, die jedes Jahr das Studienjahr feierlich eröffnen. Erst haben zwei Studierende das studentische Ticket zum Eintritt in die Universität gebracht und danach wurde der Schlüssel des Wissens (oder der Universität?) übergeben. Ich glaube eine Anleitung über das Studiensystem wäre hilfreicher gewesen...
 
Gefolgt wurde dies von einem jungen Herrn mit Fackel, der dann eine kleines Feuer entzündet hat. Feuer des Wissens entfacht?
  
Nebenbei sag noch der Chor ein paar Hits wie Gaudeamus. Es folgte noch die Rede von Ilja Metschnikow, der natürlich echt war! Ich schwör!
  
Noch ein paar Ballons in blau und gelb in die Luft steigen und Konfetti regnen lassen und zack ist sie vollendet, die Eröffnungsfeier.
Doch alles hat ein Ende und die Ordnung muss wiederhergestellt werden. Nachdem alle wichtigen Menschen verschwanden, kamen schon die Putzfrauen angerauscht und reinigten diese Unordnung!
Man hoffe, dass das neue Studienjahr auch ohne Putzfrau zum Aufräumen auskommt!

Dienstag, 1. September 2015

Neue Welt, alter Staub

Da bin ich nun in Odessa in meiner neuen Wohnung. Aufgewacht wie nach einer durchgezechten Nacht und sich wundern, wo man auf einmal ist. Mein neues Domizil übernahm ich von meiner Vorgängerin und hatte daher nicht so viele Probleme etwas auf eigene Faust finden zu müssen. Man kommt durch ein kupfernes Metalltor, wo man einen Code eingeben muss und danach läuft man durch den Innenhof in den linken Hauseingang in den ersten Stock (russisch: zweiter Stock). Die Wohnung 22 darf ich also von nun an bewohnen. Die Besitzer leben in Deutschland und vermieten diese Wohnung immer, da trotz Krise es doch noch schön ist eine Wohnung in der Ukraine zu halten.
   Die Veranda, eine Art erhöhter Wintergarten.
   Die Küche ist eher altbacken und dunkel.
   Das Wohnzimmer hat Potential, aber ein wenig voll gestellt.
   Das Schlafzimmer ist ein Traum, aber ein wenig heruntergekommen.

Streifzüge durch die neue Wohnung ekeln mich aber eher an, anstatt mich wohl zu fühlen. Mit meiner Stauballergie bin ich hier irgendwie falsch. Hohe Wände und alte Möbel und alles irgendwie etwas eingestaubt und versifft. Ich war irgendwie froh schon mal in Odessa gewesen zu sein, denn so nahm ich mir die Zeit und suchte den nächsten Supermarkt, um neue Putzmittel zu kaufen. Sich erstmal in der eigenen Wohnung wohl fühlen, heißt also die Devise. Ich fing mit meinem Schlafzimmer, damit ich erstmal entpacken kann. Die kitschigen Möbel des Schlafzimmers (inklusive Schminktisch) lassen es eher wie ein Prinzessinnenzimmer wirken. Nachdem ich alles abgewischt hatte, konnte ich erstmal meinen großen Kleiderschrank befüllen. 

Den ganzen Tag verbrachte ich nun mit Putzen. Es war ja schließlich auch Montag, da konnte man reinlich in die neue Woche starten bzw. in einen neuen Lebensabschnitt. Nachdem ich die Grundreinigung vollzogen hatte, blieb es nur noch aus alles zu Waschen, was ich an Textilien sah, weil alles irgendwie auch siffig wirkte, besonders bei 30°C draußen. Am Abend konnte ich mich dann erstmal etwas ausruhen und meine Gastgeschenke auspacken. Ja, diese sind sehr wichtig! Vor allem in der russischen Kultur. Vorbereitet wie ich war, war gefühlt auch eine ganze Tasche gefüllt mit Gastgeschenken. Ich hoffe, die Ukrainer werden sich über die eine oder andere Aufmerksamkeit freuen. :)